Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie

hg. von Dr. Anton Holzer

Bücher, kurz vorgestellt

Erschienen in: Fotogeschichte 117, 2010

  • Bodo von Dewitz für das Museum Ludwig Köln (Hg.): Politische Bilder. Sowjetische Fotografien 1918–1941. Die Sammlung Daniela Mrázkowá – Göttingen: Steidl, 2009 – 28 x 24 cm, 239 S., zahlreiche Abb. in S/W, Paperback –  35 Euro

2008 erwarb das Kölner Museum Ludwig die private Fotosammlung der tschechischen Publizistin, Kuratorin und Sammlerin Daniela Mrázkowá, die seit 1972 Chefredakteurin der Zeitschrift revue fotografie war. Die Zeitschrift die, von Prag aus, in tschechischer, russischer unds zeitweise in englischer Sprache vertrieben wurde, hatte große Verdienste in der Präsentation und Vermittlung der sowjetischen Fotografie. Der einleitende Beitrag von Bodo von Dewitz zeichnet biografische Hintergründe der Sammlerin und die wechselhafte Rezeption der sowjetischen Fotografie nach. Ein gut gemachtes, spannendes Buch.

  • Michel Frizot, Cédric de Veigy: VU. The story of a magazine that made an era. London: Thames&Hudson, 2009 – 31 x 26 cm, 320 S., Abb. in S/W und Farbe, gebunden mit SU – 58 Euro

Die französische Illustrierte Vu wurde im Frühjahr 1928 gegründet und am 29. Mai 1940, am Beginn des Zweiten Weltkrieges eingestellt.  Sie gehörte zu den innovativsten illustrierten Zeitschriften der Zwischenkriegszeit, die neue Wege in der Präsentation von Bild und Text ging. Der sorgfältig gemachte Band bietet anhand zahlreicher Faksimiles einen Überblick über die Geschichte und Gestaltungsweise von Vu. Zugleich bieten die eingestreuten Essays Hintergrundinformationen zu einzelnen Aspekten. Vorgestellt werden der legendäre Herausgeber Lucien Vogel ebenso wie die Fotoredakteure, die Fotografen und Gestaltungs- und Drucktechniken. Empfehlenswert.

  • Renate Heyne, Floris M. Neusüss, Hattula Moholy-Nagy: Moholy-Nagy. The Photograms. Catalogue Raisonné – Ostfildern: Hatje Cantz, 2009 –29,6 x 24,7 cm, 312 S., 616 Abb., 568 in Duplex, 48 in Farbe, gebunden mit SU – 78 Euro

1922 entstanden die ersten Fotogramme von László Moholy-Nagy, die letzten 1943, wenige Jahre vor seinem Tod im Jahr 1946. Der Band ist das Ergebnis jahrelanger Forschungen der beiden Herausgeber Renate Heyne und Floris M. Neusüss. Er ist sehr sorgfältig recherchiert und überzeugend aufbereitet und stellt alle bekannten 421 Fotogramme mit Hinweisen zu Datierung, Technik, Herkunft und Ort der derzeitigen Sammlung zusammen. Zwei einleitende Texte von Renate Heyne und Herbert Molderings führen in die fotografische Arbeitsweise und Ästhetik Moholy-Nagys ein.

  • Eberhard Illner, Matthias Winzen (Hg.): Licht fangen. Zur Geschichte der Fotografie im 19. Jahrhundert. Köln: Snoeck Verlagsgesellschaft, 2009 – Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts, Baden-Baden, 10. Oktober 2009 bis 7. März 2010, 20. September 2010 bis 9. Januar 2011 Historisches Zentrum Wuppertal – 24,5 x 317,5 cm, 272 S., zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, gebunden – 45 Euro

In jahrzehntelanger Anstrengung hat Karlheinz W. Steckelings eine umfassende Fotosammlung zum 19. Jahrhundert zusammengestellt. Aus den Beständen dieser Sammlung „S“, die heute auf mehrere Museen verteilt ist, wurde die gleichnamige Ausstellungim Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts in Baden Baden zusammengestellt. Der gleichnamige Katalog ist ein wenig zum Kuddelmuddel geworden. Er kann sich nicht entscheiden, ob er Highlights bieten oder kulturhistorische Hintergründe der Bilder ausleuchten soll. Daran ändern auch zum Teil recht gute Aufsätze nichts.

  • Bernd Stiegler: Montagen des Realen. Photographie als Reflexionsmedium und Kulturtechnik. München: Fink, 2009 – 23,2 x 15,6 cm, 331 S., zahlreiche Abb. in S/W, Paperback – 34,90 Euro

Montagen des Realen versucht an unterschiedlichen Beispielen, die von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart reichen und wichtige theoretische Positionen (u.a. Barthes, Benjamin, Sontag, Foucault) ebenso einschließen wie paradigmatische Photographen (etwa Chaldej, Rosenthal, Rodchenko und Gursky), die Photographiegeschichte als Kulturtechnik und Reflexionsmedium zu lesen.“ (Aus dem Umschlagtext).

  • Jens Jäger, Martin Knauer (Hg.): Bilder als historische Quellen? München: Fink 2009 – 21,4 x 13,4 cm, 207 S., Paperback, 19,90 Euro

Nicht erst mit dem Hype des „iconic turn“ oder den Debatten der Bildwissenschaften hat die historische Beschäftigung mit Bildern begonnen. Die Herausgeber bündeln Texte, die die Frühgeschichte der historischen Bildforschung um und nach der Wende zum 20. Jahrhundert vor allem in Deutschland, Frankreich und England nachzeichnen. Dabei werden neben bekannten auch lange vergessene Protagonisten ans Licht geholt, etwa Percy Ernst Schramm, Hartmut Boockmann und Rainer Wohlfeil. Merkwürdig ist, dass diese Darstellung der historischen Bildforschung gänzlich ohne Abbildung auskommt.

  • Ulrich Binder, Matthias Vogel (Hg.): Bilder, leicht verschoben. Zur Veränderung der Fotografie in den Medien. Zürich: Limmat, 2009 – Mit Beiträgen von Adrian Bättig, Ulrich Binder, Katri Burri, Sabine Münzenmaier, Matthias Vogel – 27x21 cm, 183 S., Paperback, 29,50 Euro

Die Publikation ist aus einem Forschungsprojekt an der Zürcher Hochschule der Künste hervorgegangen. Sie beschäftigt sich, wie es etwas schwammig im Vorwort heißt, mit Bildern im Medientransfer“. Das heißt sie untersucht, wie sich Fotografien, deren Materialität und Sinnstrukturen ändern, wenn diese aus der Tiefe des Archivs in Ausstellungen oder in der Presse veröffentlicht werden. An und für sich eine spannende Frage: aber die Antworten sind derart vielstimmig und unübersichtlich präsentiert, dass es schwer ist, den Argumenten zu folgen.

  • Katharina Sykora: Die Tode der Fotografie. Band 1. Totenfotografie und ihr sozialer Gebrauch. München: Fink, 2009 – 23,4 x 16,4 cm, 603 S., zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, geb. mit SU – 58 Euro

Thema dieses Buches ist westliche Totenfotografie von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Im ersten Teil ihres auf zwei Bände angelegten Werkes beschäftigt sich die Autorin schwerpunktmäßig mit der privaten Postmortemfotografie, sie wirft aber auch einen Blick auf die Totenfotografie in Anthropologie, Kriminologie und Medizin. In enger Verzahnung zwischen theoretischer Annäherung und Detailstudien an konkreten Bildern führt sie die Leser durch die Bildwelten des Todes. Eine gut geschriebene, gelungene Arbeit.

  • Matthias Christen: Die letzten Bilder. Fotografisches Totengedenken in der Zentralschweiz, Baden: hier+jetzt Verlag, 2010 - 23,5 x 20 cm, 175 S., 97 Abb. In S/W und Farbe - 32,80 Euro, 48 CHF

Ein Schweizer Dorf namens Engelberg, dargestellt in einer aufmerksamen fotohistorisch-ethnogischen Nahaufnahme. Matthias Christen schreibt anhand von Sterbebildern ein faszinierendes Porträt einer überschaubaren alpinen Gemeinschaft. Er geht der Geschichte des Bildmediums nach und zeigt wie in den fotografischen Sterbebildern nicht die Toten inszeniert wurden, sondern sich auch die Wünsche, Hoffnungen und Erinnerungen der Lebenden darstellten. Die Feldstudie Engelberg verweist in vielerlei Hinsicht auf ein größeres Thema. Ähnliche Formen des fotografischen Gedenkens fanden sich bis in die 1950er Jahre auch anderswo in der westlichen Welt. 

  • Esther Ruelfs, Tobias Berger (Hg.): Images recalled. 3. Fotofestival Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, 2009 – 23 x 17 cm, 224 S., zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, Paperback – 24,80 Euro

Bereits zum dritten Mal fand 2009 in der Region Rhein-Nackar das Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg statt. Kuratoren waren dieses Jahr Esther Ruefls und Tobias Berger. Images recalled, Bilder auf Abruf - unter dieses Überthema stellten sie den Ausstellungsparcours. „Die künstlerische Fotografie“, so schreiben sie im Vorwort, „ist es, die jene Bildmuster hinterfragt, die der Journalismus, die wissenschaftliche und die private Fotografie etabliert haben.“