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Martin Hürlimann: Umschlagabb. der Zeitschrift „Atlantis", Juli 1930

Angela Müller, Felix Rauh

Außereuropäische Kulturen in Reisefotografien und Dokumentarfilmen des deutschsprachigen Raums, 1920–1990

Zwei Dissertationen am Historischen Seminar der Universität Luzern, Prof. Dr. Aram Mattioli (Universität Luzern), Beginn/Ende: Juni 2011 bis Mai 2014, Art der Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Kontaktadressen: angela.mueller(at)unilu.ch; felix.rauh(at)unilu.ch

Erschienen in: Fotogeschichte 128, 2013

Eine Aufnahme, fotografisch oder filmisch, eröffnet zugleich drei Räume. Einerseits lässt sie vorwärts auf das dargestellte Sujet blicken, andererseits rückwärts auf die Person hinter der Kamera. Als drittes entsteht ein Imaginationsraum in Auseinandersetzung des Betrachtenden mit dem Bild. Diese dreifache Perspektive aufnehmend, untersucht das Forschungsprojekt (audio-)visuelle Repräsentationen außereuropäischer Kulturen im deutschsprachigen Raum zwischen 1920 und 1990.

In einer transnationalen Langzeitperspektive möchte das Projekt neue Erkenntnisse zu Wandel und Kontinuität von Wahrnehmungen der kolonialen und postkolonialen Welt im deutschsprachigen Raum generieren. Die interdisziplinäre Verbindung von globalgeschichtlichen Fragestellungen mit Ansätzen der Visual History erlaubt es, Fragen von Identität und Alterität auf dem Hintergrund sich verändernder Raum- und Zeitwahrnehmungen zu analysieren.

In den Blick genommen werden publizierte Reisefotografien und populäre Dokumentarfilme, die in Afrika, Asien und Lateinamerika entstanden sind. Sowohl bekannte als auch weniger bekannte Bildschaffende rücken in den Fokus. Unter ihnen der Schweizer Verleger und Fotograf Martin Hürlimann und der Reiseschriftsteller und Filmer René Gardi, zu denen umfassende Forschungsarbeiten bisher ausgeblieben sind.

Über Illustrierte und Bücher, das Kino, den Schulunterricht oder das Fernsehen gelangten Bilder außereuropäischer Gebiete in die Alltagskultur verschiedener Bevölkerungsgruppen. Die Bilder versprachen dem Publikum vermeintlich authentische Eindrücke fremder Kulturen, fungierten aber zugleich und vor allem als Spiegel der eigenen Gesellschaft.

Das erste Teilprojekt Südasien im Sucher beschäftigt sich mit fotografischen Imaginationen Südasiens zwischen 1920 und 1960. Dominierend waren Vorstellungen Südasiens als eskapistische Augenweide. Gleichzeitig stieg Mahatma Gandhi in den 1920er und 1930er Jahren mithilfe des Mediums Fotografie zur politischen Ikone auf. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs stellten Bilder von Hungerkatastrophen auf dem Subkontinent vermehrt Vorstellungen Südasiens als Wunderland in Frage. Neben Martin Hürlimann, Walter Bosshard oder Alice Schalek, beleuchtet die Studie mit dem Schweizer Hans Keusen eine bisher weniger bekannte Figur.

Im zweiten Teilprojekt mit dem Arbeitstitel Audiovisuelle Repräsentationen der „Dritten Welt“ geht es um Wandel und Kontinuitäten von dokumentarfilmisch geprägten Vorstellungen Afrikas und Lateinamerikas. In den 1960er Jahren changierten populärethnografische Betrachtungen mit paternalistischem Unterton zwischen Steinzeitnostalgie und Entwicklungszweifeln. Die neuen entwicklungspolitischen Solidaritätsgruppen, die sich im deutschsprachigen Raum zu Beginn der 1970er Jahre formierten, verhalfen Filmen zu Aufmerksamkeit, welche die porträtierten Menschen über ihre Entwicklungsbedürfnisse reden ließen, wobei post- und neokoloniale Machtasymmetrien im Zentrum der Kritik standen. 

Die Forschungsarbeiten untersuchen Produktions-, Distributions- und Rezeptionskontexte auf dem Hintergrund sich verändernder Mediensysteme. Die Rolle der beteiligten Personen und Institutionen, interessiert ebenso, wie die Funktion und Bedeutung der Bilder selbst. In einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive eröffnet das Projekt neue Blicke auf Entstehung, Verbreitung und Wirkungsweise von kulturellen Fremdbildern, die bis heute fortwirken.

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