Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie

hg. von Dr. Anton Holzer

Prof. Dr. Werner Oechslin u.a.

Sigfried Giedion und die Fotografie

Veröffentlichungsform: Monografie, gta Verlag, 1. Quartal 2009 – Institution: ETH Zürich, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) – Beginn: 2006 – Kontaktadresse: gregor.harbusch@gta.arch.ethz.ch

Erschienen in: Fotogeschichte 108, 2008

Der Schweizer Kunsthistoriker Sigfried Giedion (1888–1968) hat wohl wie kein anderer Historiker seiner Zeit die Bedeutung der Fotografie erkannt und ihr in seinen Publikationen einen hohen Stellenwert eingeräumt. Erinnert sei etwa an sein "Schaubuch" Befreites Wohnen (1929) oder an seine erste größere Publikation Bauen in Frankreich (1928). Letztere beweist mitunter, dass Giedion ein talentierter Fotograf war. Nicht nur in seinen Standardwerken Space, Time and Architecture (1941) und Mechanization Takes Command (1948), sondern auch in seinen Aufsätzen hat Giedion Auswahl und Platzierung der Fotografien genauestens geplant. Davon zeugen unter anderem die Korrespondenzen mit Redakteuren und Herausgebern im Giedion-Nachlass des gta Archivs, die nicht selten genaue Layout-Anweisungen enthalten. Zu Bauen in Frankreich haben sich außerdem die präzisen Entwürfe Giedions für die Buchgestaltung erhalten.

Giedion nutze Fotografien nicht nur als Medium zur Dokumentation von Architektur, sondern arbeitete in seinen Publikationen mit dem diskursiven Eigenwert der Bilder. Seine Bildfolgen und -gegenüberstellungen konzipierte er als programmatische Argumentationen im Medium Bild, mit denen er dezidiert auf den eiligen – den genuin "modernen" – Leser zielte. Vor allem in seinen frühen Publikationen versuchte er durch den Bildaufbau seiner eigenen Aufnahmen und die Zusammenstellung der Bildfolgen eine neue Form der Wahrnehmung aus der Bewegung und einen konstruktivistischen Raumbegriff zu vermitteln. Beeinflusst war er dabei insbesondere von den fotografischen Arbeiten Laszlo Moholy-Nagys.

Neben den Fragen nach Form und Funktion der Bilder interessieren insbesondere Giedions kulturpolitische Anstrengungen für die Durchsetzung der modernen fotografischen Bildsprache in der Schweiz, etwa bei der Berufung Hans Finslers an die Kunstgewerbeschule Zürich, sowie sein Interesse an wichtigen "Baustellen der Moderne" (Siedlung Pessac, Siedlung Neubühl in Zürich, Budgeheim in Frankfurt), die er selbst besuchte und fotografisch dokumentierte. Seine Fotoreportagen der Baustellen besitzen nicht nur einmaligen dokumentarischen Charakter, sondern legen auch Giedions spezifisches Interesse an der modernen Architektur offen.

Das Projekt erschließt den umfangreichen Fotobestand Giedions im gta Archiv und möchte einen Beitrag zur Architektur- und Fotografiegeschichte leisten. Vor dem Hintergrund der heutigen Bedeutung von medialen Vermittlungsformen der Architektur besitzt es außerdem Aktualität für die architekturtheoretische Debatte.

 

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