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Sasha Stone: Erwin Piscator vor seinem Theater am Berliner Nollendorfplatz, Fotomontage, 1927

Birgit Hammers

"Sasha Stone sieht noch mehr" – Ein Fotograf zwischen Kunst und Kommerz

Veröffentlichungsform: Dissertation – Institution: RWTH Aachen, Institut für Kunstgeschichte, Prof. Dr. Alexander Markschies (RWTH), Prof. Dr. Rolf Sachsse (HDK Saarbrücken) – Beginn: Oktober 2006, Abschluss 2013 – Art der Finanzierung: Promotionsstipendium der Gerda Henkel Stiftung – Kontaktadresse: birgithammers(at)gmx.de

Erschienen in: Fotogeschichte 106, 2007

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Avantgarde-Fotografen Sasha Stone. Während dieser Ende der 1920er Jahre noch in einem Atemzug mit Größen wie Man Ray und Laszlo Moholy-Nagy genannt wird, sind seine Arbeiten heute weitgehend unbekannt. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der lückenhaften Biografie bis zum Verlust des Ateliers im Zweiten Weltkrieg. Im klassischen Sinn würde man Sasha Stone als Weltenbummler bezeichnen: geboren 1895 in St. Petersburg, aufgewachsen und ausgebildet in Warschau, emigriert nach New York, während des Krieges in England stationiert, später dann Rückkehr nach Europa, zunächst Paris, dann Berlin und schließlich Brüssel, gestorben 1940 in Frankreich auf der Flucht. Die produktivste Schaffensphase fällt dabei eindeutig in die Berliner Zeit ungefähr zwischen 1926 und 1932. Stone selbst bezeichnet sich hier als Experte auf den Gebieten "Reklame, Industrie, Illustration, Film, Bühne, Architektur, Schaufenster". Obwohl er größtenteils als Auftragsfotograf arbeitet, wäre es verfehlt, ihn lediglich als den Reklamefotografen zu sehen, als der er in Überblickswerken zur Fotografie häufig dargestellt wird. Es wurde bisher versäumt, neben den kommerziellen auch die künstlerischen Interessen Stones herauszustellen und sein "uvre innerhalb der Avantgarde der Weimarer Republik zu positionieren. Dies soll nun im Rahmen der Dissertation geschehen. Besonderes Augenmerk wird dabei vor allem auf das Gebiet der Architektur- und Stadtfotografie gelegt. Erst kürzlich konnten zahlreiche Berlin-Ansichten Stones wiederentdeckt werden, die lange Zeit als verschollen galten; ihre Analyse steht indes noch aus. Ein weiteres, bisher kaum berücksichtigtes Medium Stones stellt die Fotomontage dar. Hier zeigt sich besonders deutlich der Künstler Stone. Gleichzeitig unterscheiden sich diese Arbeiten stark von denen der Zeitgenossen. Stone spielt hier in einer Weise mit der Realität, die immer wieder auf die Frage der Authentizität von Fotografie zurückführt. Ein theoretischer Exkurs zu diesem Thema ist daher unvermeidlich. Des Weiteren steht die Technik der Fotomontage in engem Bezug zum Film. Stone, der sich im Umfeld Hans Richters und Walter Ruttmanns bewegte, dürfte hier nicht unbeeinflusst geblieben sein, zumal er selbst einen Kurzfilm drehte – der bislang jedoch noch nicht aufgefunden werden konnte. In Kombination mit seinem engem Verhältnis zu Erwin Piscator, für den er fotografierte und sogar Bühnenbilder entwarf, zeigt sich hier eine ganz neue Seite dieses vielseitigen Künstlers, die es erstmals zu untersuchen gilt.

Publikation: Birgit Hammers: "Sasha Stone sieht noch mehr": Ein Fotograf zwischen Kunst und Kommerz, Petersberg: Imhof Verlag, 2014.

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